Ein Jahr nach dem Konflikt
Anlässlich des ersten Jahrestags des Angriffs der Hamas auf Israel und des darauffolgenden Gaza-Kriegs hat die Menschenrechtsorganisation Amnesty International die sofortige Einsetzung einer Waffenruhe im Gazastreifen gefordert. Die Generalsekretärin von Amnesty International in Deutschland, Julia Duchrow, äußerte sich besorgt über das Fehlen eines Waffenstillstands und die nach wie vor inhaftierten Geiseln.
Dringlichkeit der Waffenruhe
Duchrow bezeichnete die aktuelle Situation als „kollektives Versagen der Menschheit“ und betonte, dass eine Waffenruhe „dringender denn je“ sei. Sie forderte, dass allen Opfern des Konflikts Wahrheit, Gerechtigkeit und Wiedergutmachung zuteilwerden müsse.
Straflosigkeit als Ursache
Ein zentrales Problem im Nahost-Konflikt sei die „Straflosigkeit“, die es sowohl den israelischen Streitkräften als auch der Hamas und anderen bewaffneten Gruppen ermögliche, das Völkerrecht über Jahre hinweg zu missachten, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen. Duchrow begrüßte die Ermittlungen des Internationalen Gerichtshofs zu möglichen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen.
Waffenlieferungen stoppen
Um weitere Verbrechen zu verhindern, forderte sie einen Stopp der Waffenlieferungen an alle Konfliktparteien. Aktuell dauern die Kämpfe im Gazastreifen ohne absehbares Ende an.
Trauer um die Opfer
Duchrow betonte, dass der Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober nicht gerechtfertigt werden könne. Dieser Tag sei für viele Israelis ein „Tag der Trauer“, da zahlreiche Menschen ihr Leben verloren haben oder als Geiseln gehalten werden. Gleichzeitig jährt sich der Beginn der Angriffe der israelischen Streitkräfte auf den Gazastreifen, die eine humanitäre Katastrophe ausgelöst haben.
Folter und Inhaftierungen
Zudem wies Duchrow auf die Situation hunderter Palästinenser hin, die ohne Anklage oder Gerichtsverfahren in israelischen Gefängnissen festgehalten werden und oft Folter ausgesetzt sind. Sie appellierte an alle Konfliktparteien, die Menschlichkeit über alles zu stellen.
Zahlen und Fakten
Am 7. Oktober 2023 drangen Hunderte Kämpfer der Hamas und verbündeter Gruppen in den Süden Israels ein. Laut israelischen Angaben wurden dabei insgesamt 1205 Menschen getötet, überwiegend Zivilisten. Von den 251 Geiseln, die von der Hamas verschleppt wurden, sind derzeit noch 97 im Gazastreifen inhaftiert, während 33 offiziell für tot erklärt wurden. Infolge der militärischen Operationen Israels im Gazastreifen sind nach Angaben der Hamas-Gesundheitsbehörde über 41.800 Menschen ums Leben gekommen.

