Hintergrund der Geiselnahme
TEL AVIV—Die letzte Freilassung von Geiseln durch Hamas fand vor über einem Jahr statt. Damals verfolgten Israelis live im Fernsehen, wie maskierte Kämpfer Frauen und Kinder an Vertreter des Roten Kreuzes übergaben, bevor diese zurück nach Israel gebracht wurden. Einige der befreiten Geiseln wirkten schwach und gebrechlich, während die meisten nach 50 Tagen in Gefangenschaft ohne Hilfe gehen konnten.
Aktuelle Situation der Geiseln
Infolge eines am Mittwoch angekündigten Waffenstillstands bereiten sich israelische Krankenhäuser und medizinische Teams darauf vor, dass die diesmal freigelassenen Geiseln in einem deutlich schlechteren Zustand sein könnten, nachdem sie mehrere Monate länger in Gefangenschaft waren. Die israelischen Teams haben Simulationen durchgeführt, Schauspieler aus der Militärtheatergruppe engagiert und medizinische Unterlagen sowie Videos von Hamas-Geiseln studiert, um auf die Rückkehr der Geiseln vorbereitet zu sein, unabhängig von ihrem Gesundheitszustand.
Medizinische Herausforderungen
Im November 2023 behandelten Ärzte befreite Geiseln, die unter Mangelernährung, Gewichtsverlust, Läusen, Hautkrankheiten und psychischen Problemen wie extremen Stimmungsschwankungen und Depressionen litten. Einige erlitten das sogenannte Refeeding-Syndrom, das für unterernährte Personen gefährlich ist, die zu schnell wieder Nahrung zu sich nehmen. Hagai Levine, der Leiter des Gesundheitsteams des Forums für Geiseln und vermisste Familien, äußerte, dass er mit mehr medizinischen Komplikationen, Mängeln und schwerwiegenderen psychischen Erkrankungen rechne.
Verbleibende Geiseln
Im September 2024 wurden sechs Geiseln tot in einem Tunnel in Rafah gefunden, und es gab Hinweise auf schwere Mangelernährung. Hersh Goldberg-Polin, ein amerikanisch-israelischer Geiselnehmer, wog nur 52 Kilogramm, als er gefunden wurde. Ein weiterer Israeli, Eden Yerushalmi, wog lediglich 36 Kilogramm. Derzeit befinden sich noch etwa 100 Geiseln in Gaza, von denen mehr als 30 von Israel für tot erklärt wurden, wobei die tatsächliche Zahl der Todesfälle möglicherweise höher ist.
Erwartungen an die Freilassung
Die ersten 33 Geiseln, die im Rahmen des Abkommens freigelassen werden sollen, umfassen Frauen, Kinder und Personen über 50 Jahre. Sowohl israelische als auch arabische Beamte berichteten, dass die lebenden Geiseln nach mehr als 460 Tagen in Gefangenschaft in einem schlechten Zustand sind, da viele von ihnen einen Großteil dieser Zeit in unterirdischen Tunneln verbracht haben.

