Die Situation in Aleppo
In Syrien, insbesondere in Aleppo, gibt es derzeit bedeutende Veränderungen. Abu Muhammad Al-Dschaulani, der Anführer der Dschihadisten-Miliz HTS, hat sich in seinem Auftreten gewandelt und spricht nun von der Notwendigkeit, kulturelle und religiöse Vielfalt zu bewahren. Viele Einwohner Aleppos und anderer Städte in Nordsyrien sind zunächst erleichtert, dass die HTS und ihre Verbündeten die Truppen des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad besiegt haben und die Foltergefängnisse des Geheimdienstes geöffnet wurden.
Die Rolle von Assad und Moskau
Präsident Assad sieht sich gezwungen, aus der Ferne zuzusehen, wie sein Regime ins Wanken gerät. Doch die Vergangenheit von Dschaulani wirft Bedenken auf, da er aus der Al-Nusra-Front hervorgegangen ist, die mit Al-Qaida verbunden ist. Während er sich von den extremistischen Zielen des IS unterscheidet, bleibt sein Hauptinteresse die Kontrolle über Syrien.
Die Einflussnahme der Türkei
Die Unterstützung der Türkei spielt eine entscheidende Rolle für Dschaulanis Macht. Ohne die Billigung Ankaras wäre es ihm kaum möglich gewesen, seine Position in Idlib zu halten. Präsident Recep Tayyip Erdogan hat zudem die „Syrische Nationale Armee“ gefördert, um die von den USA unterstützte Kurdenmiliz YPG zu schwächen, die in ihrem Gebiet vergleichsweise stabile Lebensverhältnisse bietet.
Die geopolitischen Spannungen
Die aktuellen Entwicklungen in Gaza und die Verluste der Hisbollah sowie ihrer iranischen Verbündeten setzen Assad zusätzlich unter Druck. Während er sich auf die Unterstützung aus Teheran und Moskau verlassen konnte, ist die russische Armee durch den Ukraine-Konflikt stark beansprucht und gerät in Syrien zunehmend in Schwierigkeiten. Der Vormarsch der Islamisten könnte die russische Marinebasis in Tartus gefährden.
Putins herausfordernde Lage
Putin sieht sich in einer schwierigen Situation und ist auf die Gnade Erdogans angewiesen. Diese Umstände könnten als Chance für den Westen interpretiert werden, um seine Verteidigungsstrategien gegen die Aggression aus dem Kreml zu stärken. Das russische Engagement in Syrien zeigt deutlich, wie begrenzt die Ressourcen der Kriegsherren in Moskau und Teheran tatsächlich sind.