Pavel Durov weist Vorwürfe zurück
Telegram-Gründer und CEO Pavel Durov hat die Behauptungen zurückgewiesen, dass die Messaging-App nicht mit europäischen Behörden zusammenarbeitet, um illegale Inhalte zu bekämpfen. Er erklärte, dass täglich Millionen von Beiträgen entfernt werden. Dies sind Durovs erste öffentlichen Äußerungen seit seiner Festnahme durch französische Behörden, die ihn wegen der Verbreitung illegaler Inhalte anklagten.
Steigende Nutzerzahlen und Missbrauch
In einem Beitrag auf der Plattform räumte Durov ein, dass die Nutzerzahlen von Telegram, die mittlerweile bei etwa 950 Millionen liegen, es Kriminellen erleichtern, die App zu missbrauchen. Er wies jedoch darauf hin, dass die Behauptungen in einigen Medien, Telegram sei ein anarchisches Paradies, völlig falsch seien. „Wir entfernen täglich Millionen von schädlichen Beiträgen und Kanälen,“ so Durov.
Rechtliche Probleme in Frankreich
Durov wurde in der vergangenen Woche mit mehreren Straftaten konfrontiert, darunter die Komplizenschaft bei der Verbreitung von Kinderpornografie, Drogenhandel und dem Verkauf von unautorisiertem Hacking-Software. Französische Richter haben ihm die Ausreise aus Frankreich untersagt, eine Kaution in Höhe von 5 Millionen Euro auferlegt und angeordnet, dass er sich zweimal wöchentlich bei einer Polizeistation melden muss. Zudem wurde ihm vorgeworfen, nicht mit den Behörden zu kooperieren, da es „fast keine Reaktion von Telegram auf gerichtliche Anforderungen“ gegeben habe.
Frühere Kontakte mit Regierungen
Durov, der Telegram 2013 ins Leben rief, steht seitdem im Fokus von Regierungen. 2017 wurde sein Telefon von französischen und emiratischen Behörden gehackt. Ein Jahr später traf er sich mit Präsident Emmanuel Macron, der ihn einlud, sein Unternehmen nach Frankreich zu verlegen, und über einen Antrag auf französische Staatsbürgerschaft sprach. Seit seiner Ausreise aus Russland im Jahr 2014 hat Durov die Staatsbürgerschaft von St. Kitts und Nevis sowie 2021 von Frankreich und den Vereinigten Arabischen Emiraten erhalten.
Zusammenarbeit mit Behörden
In seinem Beitrag erklärte Durov, dass er häufig mit französischen Beamten in der Botschaft in Dubai, wo sich der Hauptsitz von Telegram befindet, zusammentraf. Zudem richtete er eine Hotline im Unternehmen ein, um Bedrohungen durch Terrorismus in Frankreich zu adressieren. Durov äußerte, dass die Behörden möglicherweise verwirrt seien, wohin sie Anfragen zur Zusammenarbeit senden sollten, und schlug vor, die „Telegram EU-Adresse für Strafverfolgungsbehörden“ zu googeln.
Konsequenzen für die Tech-Branche
Die Festnahme von Durov durch die französischen Behörden hat den Konflikt zwischen Technologieunternehmen und Regierungen über die Verantwortung für illegale Inhalte auf ihren Plattformen verschärft. Diese Entwicklung sorgt in der Branche für Besorgnis, da Führungskräfte über ihr persönliches Haftungsrisiko nachdenken, wenn sie das nächste Mal die Europäische Union betreten.